Neuss Grevenbroicher Zeitung. 1. April 2003
Bundesweit erstes Internet-System zur Vernetzung von Gesundheitsdienstleistern
Neuss. Das ist der Regelfall. Man begibt sich ins Krankenhaus, wird operiert, noch eine Weile stationär behandelt, und dann als gesund nach Hause entlassen. Und was geschieht, wenn sich herausstellt, dass der Patient zu einem Fall für Rehabilitation oder gar Seniorenheim wird? Dann ist der soziale Dienst eines Krankenhauses gefragt. Und damit beginnt der Stress für die Mitarbeiter, aber auch für Angehörige der Patienten.
Das hängt mit dem Zeitdruck zusammen, aber auch damit, dass manche Angehörige gar nicht mehr in Neuss wohnen. Hat weiterhin damit zu tun, dass in Krankenhäusern Betten-Kapazitäten abgebaut werden und im Gegensatz dazu in Seniorenheimen kurzfristig kaum mehr Zimmer zu bekommen sind. Wenn man berücksichtigt, dass in den folgenden zehn Jahren 30 bis 50 Prozent der deutschen Krankenhausbetten abgebaut werden sollen und parallel dazu beispielsweise im gleichen Zeitraum im Kreis Neuss etwa 500 Betten in der stationären Altenpflege fehlen, wird sich die Situation noch verschärfen. Nicht hilfreich ist es dabei, dass jeder für sich Krankenhaus, Reha-Klinik und ambulanter Pflegedienst gut organisiert sein mag; was fehlt ist die Vernetzung von Daten. Da momentan keine gemeinsame Datenbank existiert, die es Gesundheitsbetrieben ermöglicht, in einer Zusammenführung von Anfragern und Anbietern schnell und gezielt freie Betten in Reha-Kliniken oder Seniorenheimen beziehungsweise freie Zeiten in der ambulanten Pflege anzubieten, müssen Krankenhäuser und betroffene Angehörige dies in aufwendiger und langwieriger Kleinarbeit herausfinden. Diesen Mangel zu beheben, Kosten zu senken und die Qualität der Versorgung zu steigern, ist das gemeinsame Anliegen alle Gesundheitsdienstleister. Packen wir´s an, haben sich 30 Teilnehmer aus dem Neusser Raum vor einiger Zeit gesagt und sich bereit erklärt, sich an einem völlig neuartigen Gesundheitsnetzwerk zu beteiligen. Das sind die Krankenhäuser St. Josef, St. Alexius und das Johanna-Etienne sowie 17 ambulante Pflegedienste und zehn Altenheime, vorwiegend im Rhein-Kreis Neuss. Sie bedienen sich dabei eines Angebotes der Unternehmen Mabsys und Guideguide AG, die eine Internet-Kommunikationsplattform entworfen haben, die es ermöglicht, professionellen Gesundheitsdienstleistern erstmals bundesweit freie Ressourcen in Echtzeit anzubieten und abzufragen, um so eine zeitnahe und qualitativ hochwertige Patientenüberleitung im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt in Rehabilitationskliniken, Altenheimen oder auch durch ambulante Pflegedienste im häuslichen Umfeld sicherzustellen. Ergänzt wird das System durch ein Content Management System, das es den Nutzern erlaubt, sich professionell im Internet darzustellen, um der wachsenden Kundenorientierung Rechnung zu tragen. Während sich die Gesundheitsdienstleister eines geschlossenen Systems bedienen, wird eine offene Version jedermann zugänglich sein, bei der sich Reha-Kliniken und Seniorenheime selbst darstellen können, um Angehörige über freie Behandlungs- und Wohnheim-Plätze zu informieren.
Ab Montag beginnt eine Testphase; die für die beteiligten Unternehmen noch kostenlos ist. Später wird die Zusammenarbeit auf Mietbasis abgerechnet. Bei Erfolg soll das Neusser Modell bundesweit eingeführt werden. dabei sind die Anbieter offen für weitere Teilnehmer im Rhein-Kreis Neuss. Alle seien angeschrieben worden. ho.