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Per Datenautobahn zum Altenheimplatz

Westdeutsche Zeitung, 1. April 2003

Ein neuartiges Gesundheitsnetzwerk im Großraum Neuss geht am Montag online. Es soll die Versorgung nach einem Krankenhausaufenthalt erleichtern.

Von Susanne Keil

Kreis Neuss/Neuss Die Oma hat sich bislang noch einigermaßen selbst versorgt. Doch nach einem erneuten Sturz mit Oberschenkelhalsbruch steht fest: Ein Platz im Altersheim muss gefunden werden. Dieses Beispiel ist ein typischer Fall von Anschlussversorgung nach einem Krankenhausaufenthalt. Damit wird in der Regel ein zeitraubender Prozess in Gang gesetzt. Für den Sozialdienst der Krankenhäuser heißt es, viele Telefonate zu führen, bis bei den knappen Kapazitäten der Altenheime in der Region ein Platz gefunden worden ist. Dann möchte die Patientin vielleicht noch einmal überlegen, ob das gefundene Heim auch das richtige für sie ist. Und schon sind drei weitere Tage vergangen, die sie im Krankenhaus verbracht hat. Eine Situation, die sich die Krankenhäuser immer weniger leisten können, denn zukünftig werden die Leistungen pauschal bezahlt. Bei den schonenden Operationsmethoden heute sind längere Krankenhausaufenthalte in der Regel auch gar nicht mehr nötig. Im Kreis Neuss steht ab Montag ein Internet-Portal zur Verfügung, mit dem eine zeitnahe und qualitativ hochwertige Anschlussversorgung gewährleistet werden kann. Durch eine Vernetzung von Krankenhäusern, Altenheimen und ambulanten Pflegediensten sollen freie Kapazitäten per Computer abrufbar sein. Gestern wurde die Kommunikationsplattform vorgestellt. Dabei hat die Region um Neuss mit drei beteiligten Krankenhäusern, 17 ambulanten Pflegediensten und zehn Altenheimen Pilotfunktion. Bewährt sich das Projekt hier, soll es bundesweit ausgedehnt werden. Und Paul Neuhäuser, Geschäftsführer des beteiligten Johanna-Etienne-Krankenhaus betont: „Es ist ein offenes Projekt. Jeder kann mitmachen.“ So hoffen die Initiatoren, schnell weitere Krankenhäuser im Kreis sowie die Rehabilitationseinrichtungen mit ins Boot zu holen. Bislang sind das St. Alexius-Krankenhaus und das St. Josef-Krankenhaus dabei. Jeder professionelle Gesundheitsdienstleister kann sein Angebot mit einem einfach auszufüllenden Web-Formular im Internet vorstellen, und jeder Bürger hat die Möglichkeit, sich das Angebot im weltweiten Datennetz. Zudem gibt es ein Intranet für die Teilnehmer, in dem sie die freien Kapazitäten der Dienstleister unmittelbar abfragen und ihre Leistungen vergleichen können. „Dies ist eine erhebliche Erleichterung für unseren Sozialdienst“, sagte Paul Neuhäuser, „und auch die Tochter, die in München wohnt, kann sich einen Überblick über Altenheime, die für die Mutter in Frage kommen, verschaffen“.www.gesundheitsguide.com